Die Megabaustelle, zwei Büros und ein Brieföffner

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Die Erinnerungen an die SEEDAMM PLAZA Pre-Opening Zeiten sind noch immer präsent. Viele Köpfe der ersten Stunde sind auch heute noch dabei. Für bedeutungsschwere Memoiren ist es noch zu früh. Aber für ein paar Anekdoten aus der SEEDAMM PLAZA Historie ist die Zeit reif.

Die verflixte Schrift

Meine älteste Erinnerung gilt der Schrift GillSans. Diese war 1998 noch sehr exklusiv. Total exklusiv. Kaum ein Computer bot diese Letters inklusive an. Auch meiner war dafür nicht gerüstet. Also schleppte ich den ganzen Rechner in die Zürcher City zu einem ausgewiesenen Computerspezialisten. Der brauchte einen geschlagenen Vormittag bis die Schrift heruntergeladen war.

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Total motiviert machte ich mich im Homeoffice-Modus ans Werk: Es galt vielseitige Notfallszenaren schriftlich festzuhalten. Dank der GillSans Schriftzeichen war aber meine Kiste zur Schnecke geworden. Bis ein Dokument geöffnet war, hatte ich meine Stube tipp topp gesaugt. Für Kursivbuchstaben konnte ich abstauben, für eine Speicherung Mittagessen kochen. Manicure gab’s für «Einfügen» und für einen Telefontalk mit der besten Freundin musste ich lediglich einen Textblock löschen. Das waren ideale Arbeitsbedingungen für eine berufstätige Mutter. Nie war es einfacher Job, Haus und Hof unter eine Decke zu bringen. Sie hatten schon auch was Gutes – die alten Zeiten.

Labyrinth mit Kaffeemaschine

So ging das natürlich nicht. Und bald konnten wir, hinter der zukünftigen Réception, zwei vollgestopfte, den höchsten Ansprüchen genügende Büros beziehen. Äusserst substanziell dabei war die Kaffeemaschine.

Sie war zwar etwas überdimensional für unser Office, dafür aber mit grossen Behältern, Schubladen und Rädern versehen. Lieber etwas im kleineren Rahmen arbeiten, als den Tag ohne Kaffee erdulden. Wasser jedoch gab es nur im UG, wo noch fleissig gehämmert, gestrichen und gespachtelt wurde. Darum führte der Weg zur Wasserstelle mal über eine Leiter, mal mittels einer Testfahrt im Aufzug. Oder öfters auf langen Wegen ums grossflächige Gebäude herum. Auf einer ausgedienten Plastik – Hors d’oeuvre – Platte, die als Serviceplateau fungierte, balancierten wir unseren Kaffeeservice über die Baustelle.

Und dann der Abwasch! Ein Wasserhahn fehlte noch. Etwas Schraubenschlüsselähnliches war aber sehr hilfreich. Und so plättscherte das Wasser gleichzeitig in den Wassertank, übers Geschirr, über unsere staubigen Kleider und in die Schuhe. Sehr praktisch, den ökologischen Gedanken pflegten wir schon damals.

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Der Multitasker – Brieföffner

Rund sechs Tassen und alle Zutaten, die für einen guten Kaffee erforderlich sind, gehörten zu unserem Starterkit.

Die zahlreichen Baustellenbesucher waren ausgesprochene Liebhaber des schwarzen Gebräus. Die sechs Tassen reichten sowieso nirgends hin und bald war eine zwischen Isoliermaterial und Bauschutt verschwunden. Die nächste ging in die Brüche… Tja, als Wasserträger und Kaffeeköche waren wir echt gefordert.

Und da war noch die Sache mit dem Brieföffner. Das universale Teil konnte für alles eingesetzt werden – auch als Kaffeelöffel. Und so fragten wir jeden Gast «wie hätten Sie’s denn gerne? Mit oder ohne Zucker?» Denn dieser musste im Büro eingerührt werden. Den einzigen Löffel hüteten wir wie den eigenen Augapfel und überhaupt, wie sieht denn ein Kaffeeservice mit Brieföffner aus.

Heute ist die Sache natürlich ganz anders – ganz anders…

Weitere Erinnerungen folgen…

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