Erfahrungsbericht Swiss Skills 2014

Aufregend, anstrengend und sehr intensiv – so lässt sich die Zeit rund um die Schweizermeisterschaften beschreiben. Es war eine der besten Erfahrungen in meiner beruflichen Laufbahn. Und so ging es wohl allen der je zwölf Köchen/innen,  Restaurationsfach- und Hotelfachfrauen/männer, die sich vom 18. September bis 21. September in Bern an den Swiss Skills gemessen haben.

Die Vorbereitungen

Der Grund für meine Teilnahme ist mein Vorgesetzter, Hansueli Wyss. Er hatte mich motiviert. Prompt wurde ich zum Selektionsgespräch eingeladen und das Abenteuer begann. Damit gehörte ich bereits zu den besten zwölf Hotelfachfrauen der Schweiz! Mitte August trafen sich 36 Kandidaten zum Austausch im Hotel Bellevue in Bern. Wir erhielten Informationen über die Aufgaben und Vorbereitungen der Meisterschaft. Wir mussten Kleider anprobieren und hatten die Möglichkeit Fragen zu stellen.

swiss-skills-fritschi

Nicht zu unterschätzen war die Vorbereitungszeit, welche rund einen Monat dauerte. Dafür habe ich einen Zeitplan erstellt. Denn vieles aus der Lehre war etwas in Vergessenheit geraten. Zusammen mit Hansueli Wyss übte ich zB. das Bügeln einer Kochjacke und die Berechnung von  Reinigungskosten. Wir trainierten Instruktionen und vieles mehr. Die Zeit verging rasend schnell und eine Wettkampf-Aufgabe lag mir lange auf dem Magen; das Erkennen von zehn verschiedenen Bodenbelägen und zwei Arbeitsabläufe zu deren Unterhaltsreinigung. Zehn Beläge zu unterscheiden ist recht schwer. Darum bat ich die Bodenbelagsfirma «Tevag» um Unterstützung.  Eine Dame nahm sich 1.5 Stunden Zeit um mir die verschiedenen Beläge (Teppich, Laminat, Parkett etc.) ausführlich zu erklären. Es war viel, aber spannend und ich ziehe daraus auch einen privaten Nutzen.

Startschuss mit Sommergrippe

Kurz vor den Swiss Skills hatte mich die Sommergrippe ziemlich hart erwischt und ich konnte an der Eröffnungsfeier am Mittwoch leider nicht teilnehmen. Dafür ging es dann zusammen mit meinem Vorgesetzen am Donnerstagmorgen „ab nach Bärn!“.

Am Freitag war mein ersten Auftritt. Nervös war ich, die Knie zitterten. Wir wurden von der Chefexpertin um 8.00 Uhr empfangen, hatten Zeit um die Materialien zu deponieren und uns „anzuklimatisieren“. Der Startschuss um 9.15 war ein Gästezimmer mit selbstgewählten Thema einzurichten. Dekoration, Guest Supplies und Bettwäsche mussten von den Kandidaten mitgebracht und dazu ein Konzept vorbereitet werden. Meine Idee war ein „Farbenhotel.“ Der Gast kann anhand seiner Stimmung und Befindlichkeit die Farbe des Zimmers wählen und damit sein Wohlbefinden individuell steigern. Meine Auswahl bestand aus dem orangen „Juicy Room“, welcher die Lebendigkeit fördert, dem blauen „Blue Fresh Room“, der beruhigt und die Konzentration fördert. Sowie dem goldenen „Chambre d’Or“, welches den Lebensmut und das Selbstwertgefühl steigert. Für Letzteres hatte sich dann mein Gast auch entschieden. Meine Herausforderung war, goldene Dekorationen zu finden, welche reinigungstechnisch akzeptabel waren.

Chambre d’Or

Viele Gegenstände habe ich selber hergestellt oder mit goldener Farbe besprüht. ZB. das Plade für das Bett, ein Bild mit Schriftzug „Chambre d’Or“. Einen goldenen Kleiderständer, inkl. goldener Kleiderbügeln habe ich von einer Freundin, die in einem Brautmode-Geschäft arbeitet. Und schliesslich habe ich noch ein paar Einrichtungssachen dazu gekauft.

swiss-skills-stefanie-fritsche

Eine weitere Wettkampf-Aufgabe war das Bügeln einer Kochtoque. Die Kochmützen, welche die Köche früher trugen. Heute sind die Mützen oft aus Papier, darum war es schwer Informationen über das richtige Bügeln zu finden. Die vielen kleinen Falten, welche richtig abgesteckt und dann geglättet werden müssen, sind eine knifflige Aufgabe.

swiss-skills-stefanie-fritsche_2Umso leichter fiel mir das Erstellen des passenden Blumengestecks. Eine sehr schöne Aufgabe. Ich habe dafür selbst eine Form getöpfert, golden besprüht und mit einer Orchidee kombiniert. Die Farbe gold, wie auch die Orchidee stehen für Schönheit, Reichtum, Macht und unzählige Nachkommen.

Es galt auch einen der Bodenbeläge, inkl. Fleckenentfernung zu reinigen und den Dienstplan zu erstellen.

Im Publikum gab es junge, berufsinteressierte Menschen soweit das Auge reichte. Viele Fotos wurden gemacht und man merkte, dass die Zuschauer begeistert waren.

Rangverkündigung

Der erste Tag war mit der Rangverkündung um 17.00 Uhr vorbei. Welch eine Freude! Ich hatte mich für das Halbfinal qualifiziert.

Mit einem sichereren Gefühl fuhr ich am Samstag zur BernExpo. Ich kannte nun das Gelände, die Expertinnen und den Aufgabenbereich.

swiss-skills-stefanie-fritsche_3Es galt wieder ein Gästezimmer einzurichten, verschiedene Formteile zu bügeln, Feuchtwischen und die Aufgabe der zehn Bodenbeläge, auf welche ich mich ja speziell vorbereitet hatte. Ein Birchermüesli herzustellen und eine Früchteschale für ein Seminarpausenbuffet zu gestalten waren weitere Aufgaben, die ich mochte.

Um 17.00 Uhr gingen wir gespannt zur Rangverkündung – Qualifiziert – Unglaublich! Ich war im Final! Ich gehöre in der Schweiz zu den sechs besten Hotelfachfrauen! Und das Niveau der Kandidatinnen und Kandidaten war sehr hoch.

Am Abend sass ich wieder mit meinem Coach, Hansueli Wyss zusammen, wir gingen nochmals alle Finalaufgaben durch. Ich war sehr froh, er war immer für mich da und eine unglaublich grosse Stütze.

Sonntag – Finaltag!

„Heute ist ein guter Tag“ war mein Gedanke beim Aufstehen.

Die Nervosität war bei allen da. Für mich waren bereits alle Sieger. Ins Finale zu kommen ist eine riesen Leistung und jeder von uns hatte sich intensiv vorbereitet.

Die Aufgaben waren nun weitaus am Schwierigsten: Die Umsetzung des Gästezimmers nach eigenem Konzept, Reinigungskosten berechnen, Tagesprogramm mit Unvorhergesehenem erstellen, Instruktion für Staubsaugen, Reklamationsbehandlung, ein CH-Bett einbetten, abstauben auf Zeit und eine Besucherbefragung zur Gäste-Bindung.

Es war der intensivste Tag und eine grosse Herausforderung, ständig Höchstleistung abzuliefern. Es war sehr laut am Arbeitsort, Sven Epiney interviewte uns laufend. Der ganze Druck – nichts für schwache Nerven.

Am Ende hiess es ausharren bis zur Schlussfeier, moderiert von Christa Rigozzi und Jan Biletter. Bundesrat Johann Schneider Ammann sprach ein paar schöne Worte: „Was ich in diesen Tagen gesehen habe, macht mich stolz. Mit euren Leistungen seid ihr die besten Botschafterinnen und Botschafter für die Berufslehre.“ Und so ging die Siegerehrung fulminant über die Bühne.

Für einen Podest-Platz reichte es leider nicht und das war eine sehr grosse Enttäuschung. Aber ich bin trotzdem stolz, ich habe es bis ins Finale geschafft. Und bin glücklich, dabei gewesen zu sein!

swiss-skills-stefanie-fritsche_4

Nun sind die Swiss Skills 2014 Geschichte.

Ein paar schlaflose Nächte liegen hinter mir, ich habe sehr viel Energie verbraucht, aber eben auch sehr viel Spass gehabt. Eine tolle Erfahrung, bei der ich stolz war, den Beruf der Hotelfachfrau zu repräsentieren!

Schreibe einen Kommentar

*