Schweigen ist simpel – Service ist Gold

Seit Wochen geht mir eine Erfahrung nicht mehr aus dem Kopf:

Bei der Auswahl meines Autos bin ich wählerisch. Bei der Reinigung meiner Carozze bin ich nachlässig und faul. Darum kommen die gut gemeinten Gratiseröffnungschetons einer Tankstelle wie gerufen. Aber was hat das mit treffen, tagen, feiern, schlafen ganz oben am Zürichsee zu tun?

Der Ohrenflitzerstaubsauger

Ich zahle bargeldlos. Die Verkäuferin pfeffert mir wortlos die Quittung und 3 Blechmünzen in die Hand.

Äh? Danke, für was sind die Blechdinger?

«Für den Staubsauger».

Aha, mein Staubsauger schluckt Münzen? Gemeint ist natürlich die Sauganlage im brandneuen Auto-Wellness-Center. Aber das muss ich zuerst herausfinden, gleichwohl wie auch den Standort lokalisieren.

Ok. ich werfe eine Münze ein.

Nichts passiert.

Weit und breit keine Menschenseele. Ich warte.

Es passiert wirklich nichts.

Na dann lege ich eben die Fussmatten wieder zurück.

Dann wird heute halt nicht gesaugt. Jäh flitz mir mit Getöse der Staubsaugerschlauch wie ein Elefantenrüssel um die Ohren. Gefühlte 60 Sekunden nuckelt er auf dem Autoboden herum.

Dann ist Ruhe. Fertig, aus.

Tanzende Bürstenborsten

Weiter geht’s zur Waschanlage.

Die Sache sieht einfach aus: Münzen einwerfen – Programm wählen – fertig.

Ich füttere den Kasten mit meinen Münzen.

«Mindesteinwurf 5 Münzen oder Nachzahlung» befiehlt die Elektronik.

Ich schiebe meine Kreditkarte ein, wähle «waschen und polieren».

«Bitte bestätigen Sie das gewünschte Waschprogramm» blink – ich bestätige – blink – bitte bestätigen – blink – ich bestätige – blink – bitte bestätigen – blink – ich haue – es blinkt nicht mehr.

Aber ein Airbus artiges Brummen erschallt. Bürsten fahren auf, legen sich wie Hände um mein Auto. Es spritz, sprüht, zischt und die langen Bürstenborsten tanzen wie Prima Ballerinas über das Autodach.

Die schnaufende Traverse senkt sich, senkt sich tief, sehr tief.

Mein Gott, wenn sie nicht anhält. Am Ende ist mein Auto noch verbeult!

Am Schluss steht die Wegfahrampel auf rot.

Ich warte, ich warte lange.

Soll ich trotz Verbotstafel den Retourgang einlegen oder im Vorwärtsgang die rote Ampel missachten?

Nach ein paar Minuten ignoriere die Ampel und fahre ziemlich genervt davon.

Versteckte Kamera? Ein schlechter Scherz?

Nichts geht über einen guten Service

Natürlich war das kein Scherz.

Vielmehr eine grosszügige Einführung der neuen Beauty-Zone-4-your-Car.

Und Automatisierungen haben ganz gewiss ihre Berechtigung. Sie sind Zeit- und Manpower sparend, effizient. Toll – wenn sie funktionieren. Ich schätze mein perfekt poliertes Auto sehr.

Trotzdem hoffe ich, dass unsere Gäste nie von blinkenden Anlagen dirigiert, von Robotern gesättigt und von automatischen Föhns berüsselt werden.

Jawohl dirigiert, gesättigt und berüsselt.

Vielmehr wollen wir Emotionen verbreiten und gute Gefühle vermitteln.

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Glücksmomente kreieren.

Gaumen, Nasen und Augen verwöhnen.

Seminare organisieren, Bankette feiern und Events veranstalten.

Wir wollen Lachen hören, Kritik annehmen, Wünsche erfüllen.

Wir wollen reden, streiten, einander ermutigen und unterstützen.

Ein Team sein, das Herausforderungen annimmt und Erfolge feiert. Denn uns liegt der homo sapische Kontakt am Herzen und der Gast steht immer im Mittelpunkt.

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Schön, wenn es bargeldlos funktioniert – aber wortlos darf es nie werden!

 

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