Besuch bei der Domaine Lupier – Mai 2012

Domain_Lupier

Im Mai durften Vito Corrado (Serviceleiter im Seedamm-Plaza) und ich das Vergnügen wahrnehmen und für 4 Tage Spanien bereisen. Mit mehreren Sommeliers und Weinfreunden waren wir von der im Zürcher Seefeld beheimaten Firma Brancaia eingeladen. Besonders eindrücklich war der Besuch bei der Domaine Lupier im Navarra.

Das Navarra grenzt direkt an das Rioja und hat dementsprechend einen schier  überragenden Bruder. Doch ein genauerer Blick in diese Region hat sich in meinen Augen ziemlich schnell rentiert. Die Hauptstadt ist Pamplona, grosse Teile sind baskisch geprägt und trotzdem verfolgt man politisch eine eigene Autonomie. Diese erlangte man Mitte des 19.Jahrhunderts nachdem das Königreich Navarra offiziell aufgelöst wurde. Wo einst über 50.000 Hektar mit Reben bepflanzt waren finden sich jetzt nur noch ca. 15.900 Hektar wieder. Dies ist ein wenig mehr wie der Rebbestand der ganzen Schweiz.

Besuch bei der Domaine Lupier - Navarra SpanienDomaine Lupier, das sind Elisa Ucar und Enrique Basarte. Elisa arbeitete früher im Marketing/Sales, Enrique ist leidenschaftliche Oenologe und sammelte in ganz Spanien Erfahrungen so wie Eindrücke. Ein Weingut auf zu bauen unterscheidet sich vehement von der meist vorkommenden Tradition einen elterlichen Betrieb zu übernehmen. Beide Garnacha Liebhaber wussten von Anfang an exakt wohin der Weg gehen soll. Das Ziel ist es Grand Cru Weine zu erschaffen, von denen ein eigener Charakter  ausgeht.  Dieser Charakter wird vom individuellen Jahrgang  bestimmt. Der Weg wurde sehr präzise und geduldig geebnet. Anhand von Bodenanalysen kaufte man nur Weingärten auf idealen Böden den einheimischen Bauern ab. Das Alter der Reben liegt zwischen 67-100 Jahren. Insgesamt verteilen sich die 17 ha der Domaine auf 27 Parzellen. Produziert werden nur zwei Weine: El Terroir und La Dama. Beide Weine enthalten zu 100% Garnacha.

Die Degustation beider Weine aus den Jahren 2008/ 2009 war einfach ein phantastisches Erlebnis:

El Terroir 2008 empfängt die Nase mit wilden Kräutern, Himbeeren, Preiselbeeren, Blaubeeren und schwarzen Brombeeren. Eine dezente Tabaknote  umwebt das Fruchtspiel sehr elegant während die Säure perfekt eingebunden das Trinkvergnügen entfächert. Die weichen, schmiegsamen Gerbstoffe sorgen für ein herrliches Mundgefühl und sorgen in Kombination mit den Aromen für ein anhaltendes langes Crescendo im Abgang.

El Terroir 2009 verblüfft direkt. Das Etikett sieht noch gleich aus, einmal von dem Jahrgang abgesehen aber schon der erste Eindruck geht in eine ganz andere Richtung. Mehr Intensität in der Frucht, Mokka und reife Kirschen, so wie Eindrücke von Efeu erfreuen das Herz. Am Gaumen ist der Tropfen unglaublich elegant und eine feine Mineralität zieht sich wie ein roter Faden durch das Degustationserlebnis. Der Abgang ist elegant, straff und sehr kompakt. Das weniger Röststoff vorhanden ist stört nicht im geringsten.

La Dama - Domaine RupierEl Terroir - Domaine Rupier

 

 

 

 

 

 

 

La Dama 2008 berechtigt sofort die gelungene Namensgebung. Aristokratisch und Nobel empfinde ich den Auftritt. Rote Preiselbeeren, Hagebutten und Veilchen steigen in die Nase. Ein wenig Vanille untermalt subtil die Aromaausprägung. Sehr feinkörnig präsentieren sich die Tanine im Gaumen, vom Körper her erwartet einen  ein schlankes, leicht muskulöses Gerüst in dem alle Eigenschaften harmonisch verwoben integriert sind. Mit viel Stil und Eleganz bedarf es für diesen Wein Einfühlungsvermögen und Zeit zum Geniessen.

La Dama 2009 verfügt über mehr Fülle am Körper und ist trotzdem unendlich elegant. Unberechenbar verschliesst sich die liquiede Freude, provoziert, kokettiert und ist absolut unberechenbar wie eine Diva. La Dama 2009 braucht noch Zeit. In der jetzigen Phase Zeit spielt der Wein mit allen Sinneswahrnehmungen und man hat wirklich den Eindruck er spielt mit einem selbst. Frucht und vom Holz geprägte Noten zeigen sich um gleich darauf wieder zu verschwinden. Etwas vom Grössten was ich je an reinsortigem Garnacha probieren durfte. Das Potenzial dieses Weines ist gigantisch.

Der Keller der Domaine Lupier verfügt über die Kapazität 50.000 Flaschen Wein zu produzieren. Doch reizt man diese Menge nicht aus, im Gegenteil. So ergab das Jahr 2009 36.000 Flaschen und nach einer detailierten Selektion wurden am Ende sogar nur 32.000 Flaschen abgefüllt. Man verwendet sehr breite Gärtanks im Keller. Diese sorgen dafür, dass die Inhaltsstoffe im Wein sich langsam lösen. Man spricht hierbei von einer sanften Extraktion.  Später findet dann die Fermentation und der Ausbau in Eichenholzfässern statt. Diese haben Fassungsvermögen von 225l, 300l und 600l.

Aufgrund seiner Vielschichtigkeit ist der Garnacha ein interessanter Speisenbegleiter. Grilliertes und Gebratenes Fleisch, mit feinwürzigen Saucen und frischen Kräutern bieten sich an. So seh ich ein in Provence-Kräutern gebratenes Lammkarree mit Auberginen Flan  zum El Terroir ideal aufgehoben. Bei La Dama darf es gerne eine Spur edler werden. Eine mit schwarzem Trüffel und Gänseleber gefüllte Fasanenbrust auf jungem Wirsing bietet nicht nur geschmacklich eine gelungene Symbiose, sondern wird auch von der Stilistik diesem Ausnahme-Wein gerecht.

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