Dosenfutter, Verlorenes und Klebriges

Weitere Episoden aus unseren Startzeiten. Aus zwei Büros wurden mehrere und aus einer Handvoll Plaza Pionieren wurde eine zusammengeschweisste Truppe. Die Baustelle verwandelte sich langsam aber beständig zum Hotel SEEDAMM PLAZA.

Klebrige Klebe

Der Sommer 1998 war ein schöner Sommer, mit heissen Temperaturen. Frankreich gewann die Fussball Weltmeisterschaft und bei uns wurden  im Eiltempo Einrichtungen und Gerätschaften angeliefert. Ich kann mich an einen Bankettraum voller riesiger Kisten erinnern. In den Kisten waren immer vier Pakete bemerkenswert kompakt zusammengeschweisst. In den einzelnen Paketen lagen sechs Schachteln und in jeder Schachtel waren sechs Gläser. Auf jedem Glas klebten zwei Etiketten. Das ergab Hunderte von Aufklebern und sie waren idiotisch stark verleimt. Waren sie endlich abgekratzt, blieb ein zäher Film auf Gläser und Händen zurück. Das Geschmier war nur mit alkoholhaltigen Substanzen zu entfernen. Die Dämpfe davon lagen so schwer in der heissen Luft, wie die Lider auf unseren Augen. Und wer müde ist, der lacht über jede Kleinigkeit. Wir hätten Eintrittstickets verkaufen können. In der völlig absurden Bergwelt von unsinnigem Verpackungsmaterial waren wir die absolute Lachnummer.

Der verlorene Japaner

Authentisch wie das Restaurant Nippon Sun ist, arbeiten seit der Eröffnung dafür ausschliesslich Köche aus Japan und die benötigen spezielle Arbeitsbewilligungen. Das Antragsverfahren war damals noch sehr kompliziert und hatte zahlreiche Voraussetzungen. Eine davon war, dass die Köche jung und vorgängig noch nie in der Schweiz tätig waren.

Unser Japaner war ein absolut flugunerfahrenes Küken. Zur Sicherheit avisierten wir  Flugunterstützungen für ihn, vor allem für das Umsteigen in Amsterdam. So weit so gut. Am grossen Tag fuhren wir mit einer adäquaten Welcome Delegation nach Kloten. Aber da war kein Japaner, der ins SEEDAMM PLAZA zum Arbeiten wollte. Die damalige Swissair versichert uns, dass er in Amsterdam auf jeden Fall eingestiegen war. In Kloten war er aber unauffindbar. Er hatte sich in der Luft in Luft aufgelöst.

Drei Tage später fanden wir ihn. Ergeben wartend in der Ankunftshalle. Was heisst wartend, das war wohnend. Anscheinend war er überaus diskret aus der Maschine entschwunden. War im Flughafen etwas herumspaziert, bevor er samt Gepäck eine ganze Sitzgruppe in Beschlag nahm und mit exotischer Geduld ausharrte. Anorektisch und dehydriert sah er nicht aus – dafür überglücklich, als wir ihn ansprachen. Unsere Schriftzeichen konnte er nicht lesen, ausser japanisch war ihm keine weitere Sprache verständlich. Irgendwann hatten ihm Landsleute bestätigt, die richtige Destination erreicht zu haben. Und so verharrte er einfach weiterhin guter Dinge.

Ein japanisches Sprichwort sagt: «Erwarte das Glück schlafend». Und das hatte er ausgiebig getan – und wurde bei uns richtig glücklich 🙂

seedamm_plaza_baustelle

Heisse Tage – lange Nächte

Die Telefone klingelten ununterbrochen. Wie Bienen im Insektenhotel summten wir emsig durchs Haus. Die Lager füllten sich mit Lebensmittel, Getränken, Putzmaterialien, Papierartikeln. Bett- und Tischwäsche stapelten sich in den Korridoren. Pausenlos wurden Möbel, Vorhänge, Kaffeemaschinen und noch mehr Gläser angeliefert. Schwitzend verstauten, organisierten und planten wir. Richteten ein, suchten nach verlorenen japanischen Kollegen und eliminierten Klebstoffe von unseren Händen. Sassen in tropischen Nächten müde aber äusserst zufrieden auf der Poolside Terrasse. Liessen den Tag Revue passieren, assen und tranken – weil die Küche noch nicht bezugsbereit war – sämtliche Muster die uns die Lieferanten da liessen.

Mit relativer Verachtung futterten wir in einer herrlichen Nacht Chili con Carne – kalt und direkt aus der Dose. Die Sache war dermassen verdauungsfördernd, dass lange vor der Eröffnung alle funktionierenden Toiletten bereits gründlich getestet waren.

Heute sieht die Sache natürlich anders aus – ganz anders… Schaut mal vorbei seedamm-plaza.ch

Weitere Erinnerungen folgen…irgendwann…bestimmt…

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